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Die Zukunft der Energieversorgung wird „smart“

Nach Gesetzesbeschluss: Stadtwerke Norden bereiten sich auf Umrüstung mit digitalen Zählern vor – Startschuss 2017

Sie sind „smart“, sie erstellen Verbrauchsüberblicke und ermöglichen so die Optimierung von Nutzung und Erzeugung: Intelligente Stromzähler werden in den nächsten Jahren die Energiewirtschaft nachhaltig revolutionieren. So sieht es ein Beschluss der Bundesregierung vom September vor. In Norden wollen die Stadtwerke diese „Energiewende vor Ort“ als Netzbetreiber aktiv gestalten – und setzen dabei auf eine frühzeitige und offene Kommunikation mit ihren Kunden.

Dass die Zukunft der Energieversorgung in den eigenen vier Wänden längst beschlossene Sache ist, betont der technische Geschäftsführer des regionalen Energieversorgers, Wolfgang Völz: „Mit dem am 02. September in Kraft getretenen Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende (GDEW) steht fest, dass jeder Haushalt und jeder Betrieb bis zum Jahr 2032 auf einen intelligenten Stromzähler umgerüstet werden muss. Die Durchführung liegt in der Hand der jeweiligen Netz- bzw. Messstellenbetreiber.“ Für weite Teile Nordens sind das die hiesigen Stadtwerke.

Die sogenannten „Smart Meter“ können dabei weit mehr als die konventionellen schwarzen Kästen mit der drehenden Scheibe, die derzeit noch in den meisten deutschen Kellern und Stromkästen verbaut sind. Denn sie zeigen nicht nur an, wie viel Strom aktuell verbraucht wird – sie speichern und kommunizieren auch Überblicke über längere Verbrauchszeiträume. „Auf diese Weise können sie dem Endverbraucher helfen, Haushaltsgeräte mit hohem Energieverbrauch zu erkennen und energieintensives Nutzungsverhalten bei Bedarf umzustellen“, so Wolfgang Völz.

Doch intelligente Stromzähler können noch mehr. So messen sie auch jenen Strom, der in die andere Richtung fließt: vom Verbraucher ins Netz. „Dies ermöglicht eine echte Revolution der Energiewirtschaft“, findet Völz. „Verbraucher können gleichzeitig Erzeuger werden. Sie können ihr Elektroauto nachts auftanken, tagsüber einen Teil dieses Stroms wieder ans Netz abgeben und so unter Umständen sogar Geld verdienen. Im Stromnetz würde dies zu einer ausgeglichenen Lastverteilung führen. Eine Win-Win-Situation für alle“, so der Stadtwerke-Geschäftsführer.

Für Versorger und Netzbetreiber bieten intelligente Systeme indes noch einen weiteren Vorteil: Als Kommunikationseinheiten sollen sie die geplante Umstellung auf eine effiziente Versorgung aus vorwiegend erneuerbaren Energiequellen ermöglichen. „Wo vor allem wetterabhängig erzeugter Strom verbraucht wird, muss flexibel auf Schwankungen reagiert werden können. Hierfür sind Informationen über Erzeugungs- und Verbrauchssituationen unabdingbar“, erklärt Wolfgang Völz die Relevanz der neuen Geräte für das Gelingen der Energiewende.

„Als Netzbetreiber sind wir zunächst einmal an die Umsetzung der Beschlüsse des Gesetzgebers gebunden. Mit dem damit verbundenen Ziel – die Voraussetzungen für die Energiewende auch im eigenen Heim zu schaffen – können wir uns darüber hinaus aber voll und ganz identifizieren“, sagt der technische Geschäftsführer. Schon jetzt seien die Stadtwerke Norden mit einem deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegenden Anteil an erneuerbaren Energien am eigenen Strommix eine der Triebfedern der Energiewende in der Region. „Diesen Kurs wollen wir auch zukünftig fortsetzen – und zwar in offener und enger Kommunikation mit unseren Kunden“, heißt es aus der Feldstraße.

Bis das Vorhaben auch für den einzelnen Mieter und Hauseigentümer konkrete Auswirkungen hat, wird indes noch Zeit ins Land ziehen. Der Startschuss für die Einführung einer ersten Charge von intelligenten Zählern soll im Herbst 2017 fallen. „Innerhalb von drei Jahren sind wir dann verpflichtet, die ersten zehn Prozent der Anschlüsse in unserem Versorgungsgebiet entsprechend umzustellen“, erklärt Helmut Cramer, Leiter Asset Management bei dem Norder Energieversorger.

Je nach Höhe des Verbrauchs kommen dabei unterschiedliche Zähler zum Einsatz. Wer weniger als 6.000 Kilowattstunden (kWh) im Jahr verbraucht, erhält eine sogenannte „moderne Messeinrichtung“. Diese ist vergleichsweise preiswert und wird – wie die bisherigen Zähler auch – einmal jährlich manuell abgelesen. Im Vergleich zum alten Zähler kann die moderne Messeinrichtung den Energieverbrauch detaillierter anzeigen. Auf dem Zähler-Display werden neben dem aktuellen Stromverbrauch auch historische Verbrauchswerte der letzten 24 Monate angezeigt. Zum Vergleich: ein typischer Vier-Personen-Haushalt verbraucht etwa 3.500 kWh.

Wer mehr als 6.000 kWh verbraucht, erhält ein fernauslesbares „intelligentes Messsystem“. „Die Zählerstände werden dabei automatisch, direkt und sicher an den jeweiligen Energieversorger, Netzbetreiber (Verteilnetzbetreiber und Übertragungsnetzbetreiber) sowie Messstellenbetreiber gesendet. Die Übertragung erfolgt hochverschlüsselt über eine sichere Internetverbindung“, stellt Cramer klar. Auch am Display des Messsystems könne der Verbrauch detailliert abgelesen und darüber hinaus in einem Onlineportal visualisiert werden. Die Analyse des eigenen Verbrauchs ist der Schlüssel zur Identifizierung und Nutzung von Einsparpotentialen.

„Mit diesem Projekt hat uns der Gesetzgeber eine anspruchsvolle Aufgabe zugewiesen. Die Norderinnen und Norder können sich darauf verlassen, dass wir als kommunales Unternehmen diese mit größter Sorgfalt ausführen und transparent über Zeitpläne, Abläufe und die derzeit noch nicht im Einzelnen zu benennenden Kosten kommunizieren werden“, betont Wolfgang Völz. An der Feldstraße rät man davon ab, bereits jetzt in Aktionismus zu verfallen. „Wir werden im kommenden Jahr frühzeitig mit unseren Kunden Kontakt aufnehmen und eine umfassende Aufklärungskampagne starten“, so der technische Geschäftsführer. Allgemeine Informationen über die gesetzlichen Grundlagen stellt bereits jetzt unter anderem das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie auf www.bmwi.de zur Verfügung.

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