Grüner Strom für kleine Heuler

Seehundstation Norddeich und Stadtwerke Norden spüren Stromfresser auf // Umstellung auf regenerative Energieversorgung

Frischfisch, Frischluft, Heizsysteme: Damit es den kleinen Schützlingen der Seehundstation Nationalpark-Haus an nichts mangelt, ist der Energiebedarf enorm. Gemeinsam mit den Stadtwerken Norden geht die beliebte Einrichtung im Norddeicher Wellenpark jetzt ihrem energetischen Einsparpotenzial auf den Grund. Dabei fällt auch der Startschuss für eine „grüne“ Stromversorgung.

Bis zu 150 verwaiste Tiere gleichzeitig bevölkern im Sommer die Becken und Pflegeplätze der Norddeicher Seehundstation. „Das bedeutet eine Menge Arbeit – nicht nur für unsere Mitarbeiter und Freiwilligen, sondern auch für die zahlreichen elektrisch betriebenen Systeme im Haus„, weiß Dr. Peter Lienau, Leiter der vom gemeinnützigen „Verein zur Erforschung und Erhaltung des Seehundes e.V.“ betriebenen Einrichtung.

Wo vom Muttertier getrennte Jungtiere, sogenannte Heuler, für ein Leben auf eigenen Flossen vorbereitet werden, sorgen umfangreiche Filteranlagen für gesundes Wasser und etwa 1.000 Watt verbrauchende Heizstrahler für wohlige Wärme. Das sei selbst an manch kühlem Sommertag notwendig, um die Jungtiere nicht zu gefährden, erklärt Peter Lienau. „Darüber hinaus sind bei uns täglich Hochleistungsventilatoren im Einsatz, um Frischluft zuzuführen, Stauwärme zu vermeiden und nicht zuletzt die Fliegen von den Tieren fernzuhalten„, so der Diplom-Forstwirt. Und auch für die bis zu fünf Tonnen Fisch, die in der Norddeicher Einrichtung eingelagert sind, brauche es ein kühles Plätzchen.

Umfassende Investitionen in moderne Technik

Um diesen enormen Energiebedarf und die daraus resultierenden Kosten langfristig zu senken, macht die einzige Seehundstation Niedersachsens nun mit den Stadtwerken Norden gemeinsame Sache. Im Rahmen einer Begehung mit dem regionalen Energieversorger wurden dazu Mitte Oktober energetische Schwachstellen und mögliche Handlungsspielräume identifiziert. „Ziel ist es, die Einrichtungen selbst, aber auch interne Abläufe so zu optimieren, dass weniger Energie notwendig ist, um die tierischen Schützlinge dennoch optimal zu versorgen„, betont der Fachmann für Energieeffizienz bei den Stadtwerken, Erich Kleen. So wird die Station bereits im Winter zunächst deutlich investieren – etwa in eine neue Lüftungstechnik. Doch auch die rund 200.000 zweibeinigen Gäste, die Jahr für Jahr die Ausstellungsräume besuchen, haben Bedarf an frischer Luft und einer entsprechenden Klimatisierung. „Auch hier haben wir uns deshalb ein genaues Bild gemacht„, erklärt Kleen.

Strom für Seehunde wird „grün“

Neben der Vermeidung von unnötigem Energieeinsatz ist für die Verantwortlichen bei der Norddeicher Pflege-, Forschungs- und Informationseinrichtung auch die Herkunft des verbrauchten Stroms ein Thema. Schließlich gehe es darum, den eigenen Klima-Fußabdruck so klein wie möglich zu gestalten, so Peter Lienau: „Gemeinsam mit den Stadtwerken haben wir deshalb errechnet, wie viel klimaschädliches CO2 durch einen Umstieg auf Strom aus erneuerbaren Quellen wirksam vermieden werden kann„. Mit der nun eingeleiteten Umstellung auf 100 Prozent Ökostrom aus Wind- und Wasserkraftanlagen, die den aktuellen Umweltstandards entsprechen, spart die Norddeicher Seehundstation allein in den kommenden drei Jahren voraussichtlich rund 467 Tonnen Treibhausgase ein.

Die Mitarbeiter und Freiwilligen der Seehundstation leisten täglich Großes für den Erhalt und das Wohlergehen von Seehunden und Kegelrobben. Wenn dann noch Raum für klimabewusstes Handeln bleibt, verdient das größten Respekt„, betont der kaufmännische Geschäftsführer der Stadtwerke, Thorsten Schlamann. Um das Engagement der Tierschützer zu unterstützen, investiert der regionale Energieversorger zusätzlich 250,- Euro je verbrauchte Gigawattstunde in regionale Projekte zur Förderung erneuerbarer Energien und nachhaltiger Klimaschutzprojekte.